wäre Paul Watzlawick sicherlich spazieren gegangen. Er wäre die schöne Straße entlang gegangen bis in den Park – oder vielleicht sogar weiter in den Wald; er hat die Natur und die Tiere geliebt; neben Büchern, die standen noch weiter oben auf der subjektiven Paulschen Beliebtheits-Skala; insbesondere seine Bücher „die sich halt ergeben haben“… Heute, am 25. Juli 2020 hätte der prominente Kommunikationswissenschaftler und Lebensphilosoph also ganz bescheiden, wahrscheinlich mit einer Linzertorte, in Palo Alto die verkehrten 6 gefeiert.

Ich/ Andrea Köhler-Ludescher hätte Onkel Paul gefragt: Onkel Paul, wenn du die Straße zurück auf dein langes Leben blickst, was siehst du denn da?

Paul Watzlawick: Ach, ich sehe die Strahlen der Sonne, die durch das Blätterdach der Bäume blinzeln und mit dem Schatten flirten. (Eine leicht gehobene Stirn blickt mich an.) Es waren viele interessante Zeiten… dies und das… das Leben war sehr gut zu mir, es hat mir fast alles gegeben, was ich mir gewünscht habe. Und was gibt es Nüchterneres als an seinen Zielen anzukommen? Denn was folgt danach? Ach ja, mein letztes Buch hab ich noch zu schreiben – „Von der Entdeckung des gegenwärtigen Augenblicks“, den Titel hab ich ja schon – ach nein! Das hast du ja inzwischen gemacht…

Ich: Und was wünscht du dir für den 100er?

Paul Watzlawick: Tja, in meinem Alter hat man nicht mehr so viele Wünsche… ein gutes langes Leben vielleicht, haha! Naja, ich wünsche mir, dass das systemisch-konstruktivistische Denken noch weiter Eingang in die Gesellschaft findet… (Kopfgewackel von Onkel Paul, er blickt einer Katze nach, welche herumstreunt, oder ist es Altersgewackel? das zufällig in Richtung Katze geht?) – dass die Menschen sich ihrer Eigenverantwortung bewusst sind, im Sinne des Konstruktivismus, – die so ein Geschenk ist! das es zu nutzen gilt! Das hat Jiddhu Krishnamurti damals in Bombay betont. Und dass die Relevanz der 5 Axiome für den Alltag bewusster wird… dass die Beziehung zwischen den Menschen ein emergentes, eigenständiegs Drittes darstellt; wie viele Konflikte könnten im Alltag vermieden werden, wenn die Menschen das verstehen, so viel Schönes könnte entstehen… nun, auch dazu hast du schon so viel erforscht und entwickelt, bring das gut unter die Menschen!

Ich: Ich bin mitten drin Onkel Paul, das Institut wird sich gut drum kümmern! Und auch an deinem Geburtstagsgeschenk für den 100er arbeite ich – ich denke, du wirst eine große Freude haben.

Paul Watzlawick: Schön, schön, dann sehen wir einmal, in welcher Form ich den dann erleben werde…

Text: Andrea Köhler-Ludescher, Großnichte von Paul Watzlawick, hypno-systemische Business Coach und Change Beraterin, Kommunikationsexpertin, Autorin

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